Telematik Infrastruktur

Datenschutz – Telematik-Infrastruktur (TI)

Der Schutz der Patientendaten hat sich im Rahmen der Digitalisierung im Gesundheitswesen im Laufe der Zeit erheblich gewandelt. Daher hier zunächst ein kurzer historischer Überblick.

Von allen Daten die in der Praxis aufgezeichnet und gespeichert werden, muss die Arztpraxis an die Kassenärztliche Vereinigung die Diagnosen, die Daten der Versicherungskarte und die Abrechnungsziffern (damit also auch einen Teil der durchgeführten Untersuchungen – nicht deren Ergebnisse) weiterleiten. Zusätzlich wird bei Überwiesenen Patienten der überweisende Arzt weitergeleitet.

Bis April 2006 wurden nur die Diagnosen und die Gesamtsumme der Honorare an die Krankenkassen weitergegeben.

Seit 2006 werden zusätzlich alle Behandlungstage und abgerechnete Leistungsziffern weitergegeben! Bedenklich ist dies, da im Verbund mit den verordneten Medikamenten (Daten der Apotheken an die Krankenkassen) ein  erheblicher Berg persönlicher Daten bei den Krankenkassen gesammelt wird. Darüber hinaus kann die Krankenkasse an die behandelnden Ärzten Anfragen stellen, deren Inhalt jedoch gesetzlich geregelt sind. Soweit es der Gesetzesrahmen zulässt werden Informationen aus meiner Praxis nicht weitergegeben. Insbesondere werden keine Fremdbefunde (Arztbriefe) weitergegeben. Die Krankenkasse kann jedoch die anderen behandelnden Ärzte ebenfalls anfragen.

Die Krankenkassen dürfen diese Daten nur zur eigenen Verwendung nutzen. Keinesfalls dürfen sie ohne schriftlicher Einwilligung des Patienten weitergegeben werden, wie der Datenschutzbeauftragte eindeutig bestätigt. Dagegen hat die DAK bereits verstoßen indem sie alle diese Daten von 200 000 Patienten an die deutsche Tochter der FA Healthways (die callcenter) weitergab. Die weiteren Hintergründe können Sie einer Reportsendung im August 2008 entnehmen (siehe ARD.de). Auch von anderen Krankenkassen wurde bekannt, dass Befunde vom Medizinischen dienst zurückgenommen wurden und gesetzwidrig gesammelt wurden. Um dieses rechtswidrige Datensammeln zu legalisieren nötigen einige Krankenkasse sogar ihre Versicherten zur Abgabe einer Unterschrift – Überlegen Sie sich gut, wem Sie eine entsprechende Unterschrift geben, die Krankenkasse kann alle Aufgaben ohne separate Unterschrift erfüllen!

Nach Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und der Telematik Infrastruktur (TI) werden weitere Daten aus der Arztpraxis auf zentralen Servern abgelegt zu denen jede Arztpraxis, jede Apotheke, jeder Krankengymnast, jede Krankenkasse und wer weiß noch alles (bei Einwilligung des Patienten) Zugang haben sollen. Jeder Computerfachmann ist sich darüber bewusst, dass die Daten dort nicht sicher sind. Nachdem Hacker sogar ins Verteidigungsministerium der USA hineinkommen, ist ein System mit so vielen externen Benutzern nicht sicher zu halten.

Die erste Ausbaustufe der TI ist der Versichertenstammdatenabgleich. Dieser muss tatsächlich bereits bei jedem Einlesen der Versichertenkarte durchgeführt werden, hier wird allerdings nur die Adresse und der Versichertenstatus abgeglichen.

die nächste Ausbaustufe der TI wird den Notfalldatensatz und den elektronischen Medikationsplan enthalten. Dem Bürger wird immer gesagt, seine Daten sind dann im Notfall zur Hand und Allergien oder Wechselwirkungen von Medikamenten könnten vermieden werden? Glauben Sie das? Daten sind nur so gut wie sie gepflegt werden! Wer soll das tun. Was ist wenn eine pflegende Stelle einen Fehler macht und codiert irrtümlich statt Impingement, Impotenz? Wollen Sie, dass das jeder lesen kann. Was, wenn die Tochterfirma einer gesetzlichen Krankenkasse Sie zusatzversichern soll – Stichwort Wahltarife! Ein Medikamentenplan wird Ihnen in der Praxis auf dem Papier zur Verfügung gestellt – das kann man immer lesen, nutzen und mit einem normalen Stift aktualisieren.

Was kann man gegen diese Datensammlungen tun?

Sie können weiterhin alle Zusatzfunktionen boykottieren, sobald welche eingeführt werden. Derzeit wird diese Funktionalität noch nicht genutzt, wenn das der Fall ist, werde ich Die an dieser Stelle und natürlich in der Praxis informieren.

Lassen Sie sich nicht mit Boni oder ähnlichem Ködern, daran sieht man nur, wie viel Ihre Daten Wert sind.

Weitere Infos Die-Krankheitskarte.de

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